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Wenn
Babys und Kleinkinder an ihrem Daumen nuckeln, so ist das ein völlig
natürlicher Vorgang. Es ist sogar nachgewiesen, dass das ungeborene
Kind bereits im Mutterleib hin und wieder den Daumen in den Mund
nimmt.
Babys
haben einen ausgeprägten Saugreflex, der ihnen beim Stillen und
Füttern den Weg weist und hilft, satt zu werden. Der damit verbundene
Körperkontakt zur Mutter beruhigt das Baby und gibt ihm Vertrauen.
Saugen befriedigt also sehr elementare Bedürfnisse. So ist es nicht
verwunderlich, dass in den ersten beiden Lebensjahren die meisten
Kinder noch am Daumen lutschen, vor allem beim Einschlafen, aber
auch, wenn sie Hunger, Langeweile oder Angst haben.
Der
Mund ist außerdem für ein Baby und Kleinkind ein wichtiges Sinnesorgan,
mit dem es Entdeckungen und Erfahrungen macht. Es steckt alles in
den Mund, was es mit den Händen greifen kann. Sicher auch deshalb,
weil es Dinge anders noch nicht "begreifen" kann. Lassen Sie Ihrem
Kind diesen natürlichen Drang. Achten Sie vor allem beim Baby bis
zu 6 Monaten gar nicht besonders darauf, wie lange und wie oft es
nuckelt.
Bei
Flaschenkindern sollte jede Mahlzeit 15 bis 20 Minuten dauern, damit
diese auch dem Saugbedürfnis ausreichend gerecht wird. Das läßt
sich am besten mit einem möglichst kleinen Loch im Sauger erreichen.
Kinder, die am Daumen lutschen, sollten nie ausgeschimpft, ausgelacht
oder bestraft werden. Daraus kann für ein Kind ein Problem entstehen,
mit dem es allein nicht fertig wird.
Bei
sehr intensivem Daumen lutschen geben allerdings Kieferorthopäden
und Zahnärzte zu bedenken, daß sich der Kiefer verformen kann. Sie
schätzen, daß über 300.000 Kinder in der Bundesrepublik an Kieferschäden
leiden, die auf Daumenlutschen zurückzuführen sind. Aus diesem Grund
wurden kieferformende Sauger und Schnuller entwickelt, die das Saugbedürfnis
befriedigen und späteren Schäden vorbeugen sollen.
Kinderärzte
warnen jedoch davor, das Daumen lutschen überzubewerten. Sie wissen
aus Erfahrung, dass die meisten Kinder im dritten Lebensjahr damit
aufhören. Allerdings: Wenn ein Kind auch nach dem zweiten Lebensjahr
auffallend oft am Daumen lutscht, kann das ein Zeichen dafür sein,
dass es innerlich nicht glücklich ist und Sehnsucht hat nach Zuwendung
und Zärtlichkeit. Kinder, die eigentlich nicht mehr am Daumen lutschen,
können zeitweise wieder darauf zurückkommen, wenn sie müde, überlastet,
einsam oder krank sind.
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